Mehmet Akyan berichtet von Schätzen und Fetzen

"Dem Silberpaar Johann und Lisbeth Friedrich gewidmet", das ist der Champagnerkühler von 1954, den Mehmet Akyan in die Kamera hält.
„Dem Silberpaar Johann und Lisbeth Friedrich gewidmet“, das ist der Champagnerkühler von 1954, den Mehmet Akyan in die Kamera hält.

Er war Handwerker und  mit verschiedenen Ideen selbstständig. Seit vier Jahren hat Mehmet Aykan nun seinen Laden Die Handelszone in Mainz-Kastel. Dort kann jeder ein Stück Regal mieten und seine Sachen verkaufen. Mehmet Aykan ist der Vermittler zwischen Verkäufer und Käufer.  Dabei trifft er sie jeden Tag – die Sammler, Schnäppchenjäger und Stöberfreunde.

„Pretty Woman ist mein Lieblingsvideo, Ihr Preis dafür ist ja gegen jede Vernunft!“ So reagierte eine Kundin auf Mehmet Aykans Vorschlag, ihre Pretty Woman-DVD nicht für acht sondern nur für drei Euro zum Verkauf anzubieten. Meistens würden seine Kunden den Wert ihrer Sachen höher einschätzen, als er tatsächlich ist. „Aber ich gebe dann Tipps – gefragt und ungefragt“, sagt Aykan.

Im schwarzen Poloshirt mit Namensaufdruck und Birkenstock-Sandalen steht er hinter der Verkaufstheke seines Ladens und lacht. Und er lacht viel, wenn er erzählt und sich mit seinen Kunden unterhält. „Jeder, der hier etwas verkaufen will, muss emotional mit den Sachen abgeschlossen haben“, ist sich Mehmet Aykan sicher. Man darf nicht sentimental werden, wenn über den Verkaufspreis verhandelt wird. „Wie soll ich einen Sammler-Motiv-Teller für 120 Euro verkaufen, wenn er auf ebay nur 40 Euro kostet?“

Ein ähnliches Problem hat Mehmet Aykan mit Klamotten: „Ich hätte hier 200 Frauen, die Klamotten verkaufen wollen aber nur zehn, die auch Kleidung kaufen.“ Deshalb nimmt er jetzt gar keine mehr an. Auch dieses Argument konnte ihn nicht überzeugen: „Meine Kleider sind anders, das sind nicht solche Fetzen wie andere sie tragen!“ Und wieder sein herzliches Lachen, als er den Satz beendet. Er mag seine Arbeit und auch die Leute mit denen er zu tun hat. Und er erzählt auch gerne davon.

Von Feuerwehr-Helmen und Melitta-Geschirr

Schon fängt Mehmet Aykan die nächste Geschichte an. „Es ist gut, dass es verschiedene Menschen gibt – zum Beispiel meine amerikanischen Kunden. Die kaufen alles, was sonst niemand willl, wie alte Bierkrüge. Eben alles was irgendwie so aussieht, als hätte es Geschichte. Wenn irgendwas 50 Jahre alt ist, knien die Amerikaner doch davor nieder,“ zwinkert Aykan.

Er kennt die Menschen, die in seinen Laden kommen. Viele duzt er.  Da ist die Sammlerin mit Kisten voller Melitta-Geschirr oder ein älterer Herr, der Feuerwehrhelme aus aller Welt besitzt. Sie kommen hier her, um ihre Schätze einzeln zu verkaufen. Mit den Sammlern sei es nämlich so, meint Mehmet Aykan: „Irgendwann wachen die Leute auf und fragen sich: Was tue ich hier eigentlich, die ganze Wohnung steht voll – und dann muss die Sammlung weg.“

Aber nicht nur Sammler kommen, um zu kaufen und zu verkaufen. Auch Leute, die einfach mal den Keller, den Speicher oder die Wohnung entrümpelt haben, bringen ihre Sachen. „Bei mir zu Hause steht auch noch so einiges rum – vielleicht komme ich mal dazu was hierher mitzubringen“, meint Mehmet Aykan grinsend.

Mehmet Aykan ist längst nicht der Einzige mit einer Flohmarkthalle, wer also nicht nur am Wochenende Lust zum Stöbern und Trödeln hat oder seine Sachen unkompliziert weiterverkaufen möchte, ist in solchen Hallen gut aufgehoben. Das gleiche Konzept mit ähnlichen Preisen haben zum Beispiel die Regalerie in Wiesbaden, die Floh-Markthalle in Mainz-Gustavsburg und Raus-aus-dem-Keller in Frankfurt.

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